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Crowdsourcing umgekehrt

Veröffentlicht von am in omanet's Freitag
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Wir hatten das Thema direkt nach Projektabschluss hier schon kurz behandelt. Hier nun ein Artikel der, quasi ein Abstraktionslevel höher, im Crowdsourcingblog von Claudia Pelzer erscheinen wird. Das ist doch einen omanet's Freitag wert, oder nicht?

Viel Spass beim Lesen und beste Grüsse,

Frank


Vor einigen Tagen ging hier auf omanet.ch ein Crowdsourcingprojekt der etwas anderen Art zu Ende: Die Crowd (das seid ihr...!) war aufgerufen, Ideen für Unternehmen und Organisationen ihrer Wahl zu produzieren - ohne dass diese danach gefragt haben. Thema und Anwendungsbereich der Idee waren dabei völlig offen: Produktinnovationen, Marketingkonzepte, Organisationsvorschläge oder Inputs zu Service und Qualität – die Crowd hat bestimmt, in welchen Bereich Unternehmen Ideen vertragen könnten. Den Unternehmen war – eher untypisch im Crowdsourcing – für einmal eine gänzlich passive Rolle zugedacht: Sie bekamen Antworten auf Fragen, die sie nie gestellt hatten.

Schon die Fragestellung kann betriebsblind sein.

Wieso ein solcher Rollentausch? Einer der grossen Vorteile von Crowdsourcing ist, eine Aussensicht in die Organisation zu bringen und Ideen zu erzeugen, auf die man intern nicht gekommen wäre – oder anders gesagt: für einmal die interne Brille abzulegen und frei von jeder Betriebsblindheit Anregungen zu bekommen. Das Problem dabei: Oftmals sind schon die Fragen, die gestellt werden, geprägt von der eigenen Befangenheit. Vielleicht werden verzweifelt Marketingideen gesucht, um den Absatz anzukurbeln – und in Wirklichkeit fehlt es an Produktinnovationen. Vielleicht werden Ideen zur Optimierung des Vertriebsprozesses gesucht, wo eigentlich Anregungen für eine neue Organisationsstruktur nötig wären. So etwas kann vorkommen, wenn man als Insider selbst zu tief im Problem steckt. Und so kommt es, dass die Crowd nicht nur die besseren Antworten liefert, sondern manchmal auch die besseren Fragen stellt. Und deshalb dieser Projektsetup.

Die Anreizstrukturen haben noch Potenzial.

Was ist nun bei diesem Projekt herausgekommen? Die User der Plattform haben zunächst einmal zurückhaltend reagiert – als wolle man schauen, wie genau eine solche „gute Idee für ein Unternehmen“ aussehen könnte. Nach den ersten eingegangenen Ideen ging’s flüssiger aber vorwärts, ohne dass dabei gerade Dämme gebrochen wären: 11 der gut 240 registrierten User der Plattform (das entspricht knapp 5%) beteiligten sich aktiv am Projekt. Sie stellten 40 Ideen jeglicher Couleur – von Produktideen über Marketingimpulse hin zu neuen Logos - ein, die an 18 verschiedene Unternehmen weitergeleitet wurden. Neun davon – 50% also - haben auf diesen Input reagiert, eine Idee wurde direkt umgesetzt. Häufiges Feedback der Unternehmen: diese oder eine ähnliche Idee war bereits vorher vorhanden, wurde diskutiert - und verworfen. Drei der Unternehmen bedankten sich mit einer Spende an die Partnerorganisation.

Immerhin: die Welt verändert.

Welche Lehren können aus dem Projektsetup gezogen werden? Zunächst einmal: Das Projekt hat – in einem bekannten Fall und möglichen weiteren – zu Umsetzungen geführt und damit die Welt ein Stück verändert. Aber: Das Projekt hat die Crowd noch nicht im gewünschten Ausmass mobilisiert. Die Gründe dafür sind verschieden – der Wesentlichste dürfte eine natürliche Hemmschwelle sein, als Outsider „ungefragt“ in fremde Organisationen hineinzureden. Entsprechend regten die User der Plattform in der anschliessenden Forumsdiskussion auch an, die Verbindlichkeit auf beiden Seiten – bei Unternehmen und Crowd – zu erhöhen: Explizites Einladen der User in die Projektgruppe und vorgängiges, einvernehmliches Festlegen der teilnehmenden Unternehmen schafft auf beiden Seiten eine klare Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Und das erhöht zweifellos auch Reaktions- und Umsetzungsquoten, weil gegenseitige Erwartungen, Spielregeln und nicht zuletzt die Zuständigkeit für die Entgegennahme der Ideen bereits im Vorfeld geklärt ist.

Weitere Verbesserungsmöglichkeit: Die völlige Offenheit der Fragestellung hat Kreativität möglicherweise eher verhindert, statt sie zu fördern. Was deshalb von Nutzen sein könnte: eine Strukturierung der möglichen Fragestellungen in Themenbereiche, aus denen der Ideengeber ausgewählen kann.

Was sicherlich unverändert bleiben sollte: Die mit Ideen bedachten Unternehmen wurden eingeladen, eine Spende in Höhe von 100 Franken an ein Hilfsprojekt zur Integration von Behinderten in den Arbeitsmarkt (www.diecharta.ch) zu tätigen. Auf diese Weise kamen immerhin 700 Franken zusammen. Grund genug, ein solches Projet zu wiederholen - und dabei noch ordentlich aufzubohren.

Crowdsourcing ist - vor allem in Europa - erst im kommen und dabei, seinen Platz zu finden. Wir alle haben mit diesem Projekt wieder ein kleines Stück dazu beigetragen. Und wir bleiben dran...!

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Kommentare

  • Andrea
    Andrea Samstag, 16 Juni 2012

    Auf jeden Fall sollten sich die profitierenden Firmen auch weiterhin an die Charta spenden! Ich habe die Vision von einer modernen Wirtschaft, die einen Teil ihreres Gewinns in die Natur und die Mitmenschen, die unschuldig benachteiligt wurden, reinvestieren. Die Crowd kann für Unternehmen in schwierigen Zeiten auch eine Fixkostenreduktion sein, je nach Bereich, je nach Thema. An den variablen Kosten muß es sich jedoch verantwortlich beteiligen. Und so gewinnen behinderte Menschen in zweifacher Hinsicht bei unseren Projekten: Einmal durch die Spenden an die Charta und zum zweiten gibt es die Möglicheit je nach Behinderungsgrad sich an derartigen Projekten mitzuarbeiten und sich wieder als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen.

  • frank
    frank Samstag, 16 Juni 2012

    in der tat: das wäre das ziel. produktivitätsgewinne durch effizientere formen der zusammenarbeit, die dafür raum und möglichkeiten schaffen für die integration all derer, denen für das ganz freie spiel der märkte nicht die richtigen karten ausgeteilt worden sind....

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Gast
Gast Samstag, 15 Dezember 2018

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