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omanet's Freitag: Wie sowjetisch ist unser Management?

Einen schönen guten Nachmittag

Feierabend und Wochenende sind nicht mehr weit - seit Dekaden Marksteine im Zeitablauf des arbeitsgeteilten Menschen. Wohl auch die einzigen Stunden in der Woche, in der man sich von vorgesetzten Kollegen während der Arbeitszeit beim Lesen eines Blogs - vorausgesetzt, er hat etwas mit Management zu tun - erwischen lassen darf. Einen gewissen Anflug von Entspanntheit am Freitag Nachmittag kann selbst der disziplinierteste Chef nicht unterbinden - nicht mal bei sich selbst. Aber: Der Beitrag heute bleibt trotzdem kurz und bündig und sollte in zehn Minuten abschliessend konsumiert sein (ihr könnt ja anschliessend noch ins facebook...).

Folgendes also ist mir dieser Tage in die Finger gekommen, und ich will es diesem ausgewählten Leserkreis nicht vorenthalten:

Nordkorea scheint, ungeachtet der familieninternen Machtübergabe im Dezember, die allerletzte Hochburg des reinen und unkorrumpierten Kommunismus zu sein: Russland entwickelt sich zielstrebig zum Zarenreich, Kuba scheint die dauernde Nähe zum kapitalilstischen Nachbarn USA ebenfalls nicht zu bekommen und selbst in der angrenzenden grossen Volksrepublik beginnen kleine kapitalistische Krebsgeschwüre unkontrolliert zu wuchern.

Nordkorea - ganz alleine also?

Nicht ganz: "Von Nordkorea einmal abgesehen ist Management die letzte Bastion der Planwirtschaft. Es ist im Herzen sowjetisch, ein Relikt aus dem Werkzeugkasten des Industriezeitalters". Management - eine weitere verbleibende Hochburg kommunistischer Grundwerte? Das meint auf jeden Fall Niels Pfläging, einer der vielen Prediger einer neuen Führungs- und Managementordnung. Und schaut man etwas genauer hin, dann sind die Planungs- und Controllingabteilungen in der Tat gut ausgelastet mit ihren Kurz-, Mittel- und Langfristplanungen, den dazwischengeschobenen rollenden Planungen - und deren laufender Auswertung.

Der Plan als ein Mittel, Mitarbeiter zu ziehen und zu bewegen. Anders gesagt: Planwirtschaft als ein Führungsinstrument in Organisationen, in denen von unten nichts kommt. Weil unten keiner die Aufgabe, die Kompetenz und die Möglichkeit hat, etwas Richtungsbestimmendes beizutragen. Und deshalb meistens auch keine Lust: Gemäss einer Studie von Towers Perrin mit 90'000 Befragten in 18 Ländern (nachzulesen beispielsweise bei Willms Buhse) verrichten 41% Dienst nach Vorschrift, 30% bezeichnen sich als desillusioniert und 8% haben bereits innerlich gekündigt. Bleiben 21%, die sich engagiert einbringen. Wir bekommen die volle Leistung von gerade mal einem Fünftel der Mitarbeiter. Vier Fünftel geben Halb- oder Viertelgas. Oder lassen sich einfach unauffällig mittreiben.

Wer kann sich das leisten? Welches Team? Welches Unternehmen? Welche Volkswirtschaft?

Es scheint der Preis dieser starren oben-unten-Struktur unserer Unternehmenswelt zu sein, die wir nach wie vor so begeistert zelebrieren und in der wir - statt sie zu hinterfragen - nur ganz blind damit beschäftigt sind, nach oben zu kommen. Ulrich Klotz beschreibt es sehr einfach: "Herzchirurgen haben zwar einen höheren sozialen Status als etwa Logopäden und werden auch besser bezahlt, doch wenn es um die Rehabilitätion eines Schlaganfallpatienten geht, ist das Wissen des Logopäden dem des Herzchirurgen weit überlegen. Organisationen für Wissenarbeit müssen diesem Sachverhalt Rechnung tragen".

Und stellt folgerichtig die Grundsatzfrage: "Wieso Unternehmen?"

Die Lösung: "Adhocratie" - eine Organisationsform, die zulässt, dass die Entscheidungskompetenzen dort liegen, wo auch das nötige Know-how liegt. Wohlwissend, dass morgen alles ganz anders sein kann.

Da sind wir nun also wieder dort, wo wir immer herauskommen: bei einer neuen Arbeitswelt, die schlicht und einfach effizienter sein wird. Die flexibel vernetzte Einheiten so zusammenbringt, dass jeder genau das einbringen kann, was benötigt wird. In der - ganz ohne Fünfjahresplan - auch die übrigen vier Fünftel ausgeschöpft und genutzt werden und, paradoxerweise, jeder gerne noch mehr machen will als er eigentlich müsste. Auch nach Feierabend und am Wochenende...! Das kann man nennen wie man will - "Enterprise 2.0", "The 2020 Workplace", "Crowdsourced Enterprise" -  oder einfach omanet :-)

Was kann man also mitnehmen aus dem heutigen Freitagspost?

  • Als Erkenntnis: dass wir vier Fünftel der Arbeitsressourcen verschleudern.
  • Als Zitat für kommende Präsentationen, Grundsatzpapiere oder Stammtischreden: dass Management im Herzen sowjetisch ist.
  • Als Überzeugung: Dass alle Wege zum Crowdsourcing führen.

Die zehn Minuten Konsumation sind um - dann steht ja dem Wochenende jetzt nichts mehr im Weg:

its-friday

Mit den besten Wünschen für's Wochenende - und schon jetzt für den Montag,

Frank

PS: Die meisten der erwähnten Autoren und Zitate sind zu finden in "Enterprise 2.0 - Unternehmen zwischen Hierarchie und Selbstorganisation". Eins für die persönliche Linksammlung!

Gemeinsam alleine
omanet's Freitag: Da hilft nur Science Fiction wei...

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Kommentare 1

Barbara (website) am Sonntag, 15. Januar 2012 14:15

Erschreckend.... ein Fünftel erbringt Leistung. Interessant, in jeder Firma, in der ich "zuhause" war, komme ich zum gleichen Ergebnis. Nicht konkrekt in Zahlen, aber beobachtenderweise...

Okay, für heute gehöre ich zu den anderen vier Fünfteln :-)

En schöne Sunntig an alle omanetler!

Erschreckend.... ein Fünftel erbringt Leistung. Interessant, in jeder Firma, in der ich "zuhause" war, komme ich zum gleichen Ergebnis. Nicht konkrekt in Zahlen, aber beobachtenderweise... Okay, für heute gehöre ich zu den anderen vier Fünfteln :-) En schöne Sunntig an alle omanetler!
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